Die Verpflichtung energieverbrauchender Unternehmen richtet sich laut Energieeffizienzgesetz nach der Größe des jeweiligen Unternehmens bzw. Konzerns.
 


  
Große Unternehmen
müssen gemäß § 9 EEffG für die Jahre 2015 bis 2020 entweder

  • ein anerkanntes Managementsystem implementieren, das gleichzeitig auch mindestens alle vier Jahre ein externes oder internes Energieaudit umfassen muss, oder
     
  • alle vier Jahre ein externes Energieaudit durchführen lassen

Personen, die diese externen oder internen Energieaudits durchführen, müssen vorgegebene Qualifikationsstandards erfüllen und im Fall von externen Auditoren auch in einem öffentlichen Register gelistet sein.

Unabhängig davon, ob sich ein großes Unternehmen für ein Audit oder ein geeignetes Managementsystem entscheidet - es hat während des Verpflichtungszeitraums grundsätzlich die Möglichkeit auf die jeweils andere Option zu wechseln.

Kleine oder mittlere Unternehmen (KMU) können nach Möglichkeit eine Energieberatung durchführen und deren Inhalte und gewonnenen Erkenntnisse der Monitoringstelle melden lassen.


Wer ist ein großes Unternehmen?

Die Festlegung, wer als großes Unternehmen gilt, ist durch die Größenklassen in der europäischen Energieeffizienzrichtlinie (EED; 2012/27/EU) vorgegeben. Diese wiederum verweist auf die KMU-Definition der Europäischen Kommission vom Mai 2003, welche am 1. Jänner 2005 in Kraft getreten ist (Amtsblatt Nr. L Nr. 124, veröffentlicht am 20.05.2003). Folgende Schwellenwerte für die Anzahl der Beschäftigten, den Umsatz und die Bilanzsumme sind definiert.
 

Die für die Einstufung eines Unternehmens ausschlaggebenden Faktoren sind somit:

  • Anzahl der Beschäftigten
  • Umsatz
  • Bilanzsumme

Beschäftigt beispielsweise ein Unternehmen oder Konzern 250 Mitarbeiter (oder mehr), ist es jedenfalls als großes Unternehmen zu qualifizieren.
 
Beschäftigt die Organisation weniger als 250 Mitarbeiter, so ist es nur dann als großes Unternehmen zu qualifizieren, wenn beide anderen Schwellenwerte überschritten werden. Liegt also der Umsatz bei einem Unternehmen, das z.B. 240 Mitarbeiter beschäftigt, bei mehr als 50 Mio. Euro, die Bilanzsumme aber bei 43 Mio. Euro (oder weniger), so ist das Unternehmen als KMU einzustufen.
 

Wie werden die Kennzahlen berechnet?

Grundsätzlich gelten nur Kennzahlen jener Unternehmensteile, die sich im Inland befinden. Verbrauchende Unternehmen, die zu mehr als 50 Prozent im Eigentum eines anderen Unternehmens stehen, sind dem Mutterunternehmen zuzurechnen.

Für die Berechnung der Anzahl der Beschäftigten werden Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte sowie Saisonarbeitskräfte berücksichtigt. Auszubildende oder Personen in beruflicher Ausbildung, die einen Lehr- bzw. Berufsausbildungsvertrag haben, sind nicht als Mitarbeiter zu zählen.
 
Die Mitarbeiterzahl wird in Jahresarbeitseinheiten (JAE) angegeben. Jede Vollzeitarbeitskraft, die während des gesamten Berichtsjahres im Unternehmen oder für das Unternehmen tätig war, zählt als eine Einheit.
 
Dazu zählen:

  • Lohn- und Gehaltsempfänger;
     
  • für das Unternehmen tätige Personen, die in einem Unterordnungsverhältnis zu diesem stehen und nach nationalem Recht als Arbeitnehmer gelten;
     
  • mitarbeitende Eigentümer;
     
  • Teilhaber, die eine regelmäßige Tätigkeit in dem Unternehmen ausüben und finanzielle Vorteile aus dem Unternehmen ziehen. 

Leiharbeiter sind jenem Unternehmen zuzurechnen, bei dem sie auch faktisch arbeiten.
Für Teilzeit- und Saisonarbeitskräfte sowie für Personen, die nicht das gesamte Jahr gearbeitet haben, ist jeweils der entsprechende Bruchteil einer Einheit zu zählen.
 

Wie funktioniert die Bestimmung der Kennzahlen bei Konzernen?

Entscheidend ist, dass bei der Verpflichtung gemäß § 9 EEffG nur alle in Österreich ansässigen Konzernteile zusammengerechnet werden müssen.

Bei der konzernmäßigen Zusammenrechnung muss man sich als Ausgangspunkt am Mutterunternehmen orientieren und alle direkten und indirekten Töchter, die ihren Sitz in Österreich haben, für die Ermittlung der Mitarbeiter-, Umsatz- und Bilanzwerte heranziehen. Davon ausgenommen sind Unternehmensteile, die direkt oder indirekt zu nur 50 Prozent oder weniger im Eigentum eines anderen Unternehmens stehen.

Ausländische Töchter bzw. eine ausländische Mutter sind für die Feststellung der Mitarbeiteranzahl bzw. Bilanz- und Umsatzsumme nicht relevant.

Überschreiten jedoch alle in Österreich operierenden Konzernteile gemeinsam die gesetzlichen Schwellenwerte (Beschäftigte, Umsatz und Bilanzsumme), so sind sie gemeinsam als (ein) großes Unternehmen zu qualifizieren und fallen unter die Verpflichtung gemäß § 9 EEffG. Das heißt beispielsweise, dass ein Audit auch in solchen Unternehmensteilen durchzuführen ist, die für sich alleine betrachtet die Kriterien eines KMU erfüllen.


Beispiel:

Ein Konzern besteht aus fünf Unternehmen (A, B, C, D und Mutter M).
 
Vier der Unternehmen befinden sich in Österreich, D ist ein Tochterunternehmen mit Sitz im Ausland. Für das Energieeffizienzgesetz sind im Zusammenhang mit der Verpflichtung großer Unternehmen lediglich die österreichischen Konzernteile zu berücksichtigen. Das ausländische Tochterunternehmen D wird zur Feststellung der Verpflichtung und im Rahmen eines Energieaudits vernachlässigt. Dies gilt auch für die Systemgrenzen des Managementsystems.
 
Die verbleibenden österreichischen Unternehmen (A, B, C) sind über unterschiedliche Beteiligungsverhältnisse der Konzernmutter M zuzuordnen. Diese hält an A und B einen Anteil von mehr als 50 %, an C lediglich eine Minderheitsbeteiligung (50 % oder weniger).
 
Gemäß § 5 (1) Z 18 EEffG sind verbrauchende Unternehmen, die zu mehr als 50 % im Eigentum eines anderen Unternehmens stehen, dem Mutterunternehmen zuzurechnen. Entsprechend kann auch das Unternehmen C bei der Feststellung der Verpflichtung und im Rahmen eines Energieaudits vernachlässigt werden. Dies gilt auch für die Systemgrenzen des Managementsystems.
 

 
 
Die verbleibenden zwei Tochterunternehmen (A und B) und die Konzernmutter M müssen nun hinsichtlich der Kennzahlen „Beschäftigte“, „Umsatz“ und „Bilanzsumme“ untersucht werden. Diese sind ausschlaggebend für die Einstufung als großes und damit verpflichtetes Unternehmen. Um als mittleres Unternehmen und somit nicht verpflichtetes Unternehmen eingestuft zu werden, ist es erforderlich, dass einerseits die Mitarbeiterzahl von 249 und weiters wahlweise der Umsatz von 50 Mio. Euro oder die Bilanzsumme von 43 Mio. Euro nicht überschritten wird.
 
 

 
 
Unternehmen A:
Isoliert betrachtet erfüllt Unternehmen A die Kriterien als KMU nicht, weil die Anzahl der Beschäftigten über dem Schwellenwert von 249 liegt.
 
Unternehmen B und Konzernmutter M: Für sich alleine betrachtet unterschreiten beide Konzernteile die Schwellenwerte in allen drei Bereichen und wären deshalb als KMU zu betrachten. Da die Unternehmen allerdings in einem Konzern eingebettet sind und die Konzernmutter eine Beteiligung von mehr als 50% an den Unternehmen A und B hält, ist eine solche isolierte Betrachtung nicht zulässig.
 
Vielmehr sind alle Unternehmen konzernmäßig zusammen zu rechnen: Die Anzahl der Mitarbeiter, der Umsatz und die Bilanzsumme aller Mehrheitsbeteiligungen sind zu addieren (ergibt gesamt 440 Beschäftigte, EUR 61 Mio. Umsatz, EUR 31 Mio. Bilanzsumme). Gesamt betrachtet übersteigt der Konzern bei den Beschäftigten und dem Umsatz die Schwellenwerte für die Definition als kleines oder mittleres Unternehmen (KMU) und ist deshalb als große Unternehmen zu qualifizieren. Der gesamte Konzern (A + B + M) unterliegt der Verpflichtung gemäß § 9 EEffG.

Managementsysteme und Energieaudits müssen im gesamten verpflichteten Konzern umgesetzt werden und jeden Konzernteil erfassen, auch wenn einzelne Tochterunternehmen selbst als KMU zu qualifizieren wären. Die Unternehmen A, B und M sind somit im Audit bzw. bei der Einführung eines Managementsystems zu berücksichtigen.

Es ist aber sehr wohl möglich, bei einzelnen Unternehmens- oder Konzernteilen ein Managementsystem zu implementieren, bei anderen wiederum "nur" ein externes Audit durchzuführen. Allerdings ist es notwendig, dass alle Teile des Unternehmens/Konzerns entweder 1) von einem Managementsystem und dazu gehörigem Energieaudit oder 2) einem externen Energieaudit erfasst sind, auch jene, die für sich alleine betrachtet die Größenschwellen nicht überschreiten. Die Verantwortung dafür trägt die Muttergesellschaft, auch wenn diese ihren Sitz im Ausland hätte. 
 

 
Weiterführende Informationen zur Umsetzung der zwei Varianten erhalten Sie hier:
 

 
 

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